Journal · Material
Tomettes — der Boden, der die Provence trägt
Sie sind das erste, was die Sonne morgens berührt, und das letzte, was abends noch ein bisschen Wärme abgibt: die sechseckigen Terrakotta-Fliesen, die in fast jedem alten Apartment Marseilles unter dem Linoleum schlummern und nur darauf warten, wieder freigelegt zu werden.
Foto: Home by Stéphane
Was Tomettes eigentlich sind
Tomettes (von provençalisch toumeto, „kleiner Krug") sind kleine, dichte, in der Sonne gebrannte Terrakotta-Fliesen aus dem Süden Frankreichs. Die meisten sind sechseckig, manche quadratisch oder rautenförmig — und ihre Farbe variiert zwischen Ocker, Paprika und einem tiefen Rost, je nach Erde, je nach Brand. Sie liegen seit dem 17. Jahrhundert in den Häusern der Provence, weil sie genau das tun, was diese Häuser brauchen: im Sommer kühl sein, im Winter Wärme speichern, und mit der Zeit immer schöner werden.
Was sie mit dem Apartment machen
Als wir das Apartment übernommen haben, lag in fast allen Räumen ein zeitloses, aber funktionsfreies Linoleum aus den 1980ern. Darunter — vermutet, gehofft, dann tatsächlich gefunden — die Tomettes. Etwas abgenutzt, ein paar Bruchstellen, hier und da ein Riss. Aber im Kern unversehrt und genau in den Tönen, die die Wände, das Korall der Küche und das Holz der Schränke seitdem aufnehmen und weitergeben.
Wir haben die Fliesen von Hand gereinigt, ein paar Bruchstellen behutsam ergänzt — und dann das einzig Sinnvolle getan: sie satt mit Leinöl eingelassen, mit nichts versiegelt und ansonsten in Ruhe gelassen. Sie sollen weiter altern. Sie sind in zehn Jahren schöner als heute.
Warum sie das Apartment tragen
In einem Apartment, das auch als Filmlocation und Photoshooting-Set arbeitet, ist der Boden mehr als nur Untergrund — er ist Hintergrund. Auf einem Tomettes-Boden funktioniert jede Farbe; das tiefe Korall der Wände, das blasse Rosé eines Sofas, das kühle Glänzen einer verchromten Vintage-Lampe, sogar das harte Weiß eines Stylings für ein Editorial. Der Boden bringt alles zueinander.
Und am Ende, wenn alle Möbel wieder rauskämen und nur die leeren Räume blieben — der Boden würde immer noch genug erzählen.