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Ausflug & Umgebung · 6 Min

Der Weg hinauf, über weißen Stein

Man verlässt Marseille und ist in einer anderen Zeit. Kaum liegt die letzte Straße hinter dir, beginnt der weiße Kalkstein, und mit ihm ein Weg, der älter ist als die Stadt. Die Calanques sind kein Ausflugsziel, das man abhakt, sie sind ein Aufstieg, langsam, hell, ein wenig atemlos. Und oben wartet kein Aussichtspunkt, sondern eine Weite, die alles Kleine still werden lässt.

Weißer Stein, der die Sonne trägt

Der Kalkstein hier ist fast blendend hell, ein Stein, der vor Jahrmillionen selbst Meeresboden war, aus Muscheln und Kalk gewachsen, langsam wie alles Echte. Heute trägt er die Sonne, statt sie abzuweisen, und speichert die Wärme bis in den Abend. Unter den Schuhen knirscht heller Schotter, an den Wänden liegt die Glätte von tausend Händen und Füßen. Wer diesen Stein einmal berührt hat, versteht die Farbe der ganzen Region, dieses warme Weiß, das wir auch in Kalkputz und Travertin so lieben.

Kiefer, Thymian, der Duft des Wegs

Der Aufstieg führt durch Aleppokiefern, die sich in den Wind legen, und durch niedrige Macchia, dieses zähe Gestrüpp aus Thymian, Rosmarin und Ginster. Zerreibst du ein Blatt zwischen den Fingern, riecht der ganze Weg nach Harz und Kraut. Nichts davon ist gepflanzt, alles ist gewachsen, dort wo es Halt fand, in einer Fuge, hinter einem Stein. Diese Landschaft belohnt keine Eile. Sie will, dass man langsamer wird, atmet, schaut.

Oben, wo das Meer beginnt

Dann öffnet sich der Grat, und das Meer ist plötzlich ganz da, tief unten, weit bis zu den vorgelagerten Inseln. Von hier sieht man, warum Marseille immer zum Wasser gehört hat, und warum die Menschen seit der Antike diese Buchten kannten. Kein Foto fasst diese Weite, man muss den Weg gehen, um sie zu verdienen. Und genau darum geht es uns bei jedem Ausflug, nicht ums Ankommen, sondern ums Hingehen.

Häufige Fragen

Wie kommt man von Marseille in die Calanques?

Vom Süden Marseilles starten mehrere Wanderwege, etwa ab Callelongue oder Luminy. Von dort geht es zu Fuß über markierte Pfade in den Nationalpark. Auto oder Bus bis zum Einstieg, danach nur noch die eigenen Beine.

Wie anstrengend ist die Wanderung?

Der Weg über den weißen Kalkstein ist steinig und teils steil, festes Schuhwerk ist wichtig. Für die Höhe braucht es keine Erfahrung, aber Trittsicherheit und im Sommer viel Wasser.

Wann ist die beste Zeit für die Calanques?

Frühling und Herbst sind ideal, mild und ruhig. Im Hochsommer ist der Zugang wegen Waldbrandgefahr oft eingeschränkt, dann früh am Morgen gehen und die Hinweise des Nationalparks beachten.