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Strand-Skulpturen — Marseille's DIY-Geist

Marseille · 29. Mai 2026 · Martina Rogy

An den Stränden Marseilles entstehen aus Treibholz, Ziegelbrocken und einem Stück Eisendraht Skulpturen, die niemand in Auftrag gegeben hat. Wer eine Stadt verstehen will, schaut nicht nur auf das, was sie offiziell baut — sondern auf das, was sie nebenher macht.

Was da entsteht, wenn niemand schaut

Diese Hütte zum Beispiel — die haben unsere Kinder gebaut. Treibholz von der letzten Welle, Ziegelsteine, die irgendwann irgendwo aus einer Wand gefallen sind, ein Stück Eisen, das mal Teil eines Geländers war. Niemand hat einen Bauplan gemacht, niemand hat Material besorgt — alles war einfach da. Eine Stunde Arbeit zwischen Schwimmen und Abendessen, und schon steht das Ding am Strand wie eine kleine Architektur.

Das passiert nicht in jeder Stadt. In den meisten Städten würde sowas am nächsten Morgen vom Strandreinigungsdienst abgeräumt. In Marseille bleibt es stehen, bis die nächste Welle es holt — wochenlang, manchmal monatelang. Die Stadt hat einen anderen Begriff von „aufgeräumt" als der Rest Frankreichs. Sie lässt Kinder Dinge bauen und Erwachsene sie ansehen.

Der DIY-Geist hat Geschichte

Marseille ist nicht für seinen Glanz bekannt, sondern für seine Kanten — die Ziegel, die im Wasser liegen, das rostige Gitter an der Felsentreppe, der vergessene Anker zwischen den Steinen. Das alles ist nicht Verfall. Es ist die Konsequenz einer Stadt, die mit dem Meer lebt und die akzeptiert, dass das Meer ihr ihre Sachen wegnimmt und neue gibt. Hafenkultur, im wörtlichen Sinn.

Wenn man hier zwei Wochen ist, fängt man an, das schön zu finden. Man hört auf zu denken „das gehört aufgeräumt" und fängt an zu sehen, dass es ein eigenes ästhetisches System ist. Material, Patina, Zufall — die drei Wörter, die Marseille besser beschreiben als „Soleil et Mer".

Was das mit dem Apartment zu tun hat

Diese Stadt ist der Grund, warum unser Apartment so eingerichtet ist, wie es ist. Tomettes, die schon abgenutzt sind. Ein Kamin, der nicht poliert ist. Leinen, das nicht gebügelt wird. Ein Terrazzo, der nicht versiegelt ist und seine Fingerabdrücke behalten darf. Wer aus Marseille kommt und das Apartment betritt, soll keinen Bruch spüren — dieselbe Hand, dieselbe Haltung, nur in vier Wänden.

Ein Aperitivo auf dem Balkon nach einem langen Strandtag — das ist die Verbindung. Die Hütte aus Treibholz und das Apartment aus Tomettes sind nicht so verschieden, wie sie aussehen.

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