Ausflug & Umgebung · 6 Min
Gordes, ein Dorf, das aus dem Fels wächst
Von weitem glaubt man, jemand habe das Dorf in den Fels gehauen, so sehr scheint Gordes aus dem Berg gewachsen. Häuser stapeln sich über einer Klippe, alle im selben honigfarbenen Kalkstein, und wenn die Sonne tief steht, glüht der ganze Ort wie ein einziger warmer Block. Wir lesen Orte über ihr Material, und Gordes erzählt in trockenem Stein von Geduld, von Handwerk und von einem Leben, das sich der Landschaft anschmiegt statt sie zu bezwingen.
Ein Dorf aus einem einzigen Stein
Alles hier ist aus demselben Kalk, die Mauern, die Gassen, die Dächer, sogar die Stufen. Dieser Stein liegt im Luberon direkt unter dem Boden, also baute man mit dem, was da war, wie es die vernünftigen Orte immer taten. Viele Mauern kommen ohne Mörtel aus, Stein auf Stein gesetzt, pierre sèche, allein durch Schwerkraft und ein gutes Auge gehalten. Am späten Nachmittag wird das Weiß honigfarben und weich, und man versteht, warum wir dieses warme Kalkweiß in jedem Raum suchen.

Die Abtei von Sénanque
Wenige Kurven weiter, in einer Falte der Hügel, liegt die Zisterzienserabtei Sénanque, seit dem zwölften Jahrhundert fast unverändert. Karg, klar, ohne Zierrat, ein Bau, der alles Überflüssige weggelassen hat und gerade darum so schön ist. Im Sommer liegt davor ein Feld aus Lavendel in Reihen, violett gegen den grauen Stein, ein Bild, das man kennt, ohne je dort gewesen zu sein. Wer die Stille dieses Ortes einmal gehört hat, nimmt sie mit.

Die Bories, Hütten ohne Mörtel
Am Rand von Gordes steht ein ganzes Dorf aus Bories, kleinen Kuppelhütten aus flach geschichtetem Kalkstein, gebaut ohne einen Tropfen Mörtel. Hirten und Bauern haben sie über Jahrhunderte errichtet, mit einer Technik, die so alt ist wie das Bauen selbst. Man tritt hinein, und es ist kühl und still, das Licht fällt nur durch die niedrige Tür. Nichts daran ist dekorativ, alles ist notwendig, und genau darin liegt ihre Schönheit.
Die Stunde, in der der Stein glüht
Bleib bis zum Abend. Wenn die Sonne fällt, dreht Gordes von Weiß zu Gold zu einem tiefen Ocker, und von den Aussichtspunkten reicht der Blick weit über das Tal des Luberon. Kein Foto fängt diese Farbe ein, sie ist zu warm, zu lebendig. Man steht einfach da, wird still, und lässt den Stein die letzte Wärme des Tages zurückgeben.
Häufige Fragen
Wo liegt Gordes und wie kommt man hin?
Gordes liegt im Luberon, rund fünfzig Kilometer östlich von Avignon. Am besten mit dem Auto, die Fahrt durch die Hügel ist Teil des Ausflugs. Von Marseille aus etwa anderthalb Stunden.
Wann blüht der Lavendel bei Sénanque?
Meist von Mitte Juni bis Mitte Juli. Dann steht das berühmte Feld vor der Abtei in voller Blüte. Früh am Tag kommen, dann ist es ruhiger und das Licht weicher.
Was sollte man in Gordes sehen?
Das gestapelte Dorf selbst mit seinen Gassen, die Aussichtspunkte über den Luberon, die Abtei Sénanque in der Nähe und das Village des Bories mit seinen mörtellosen Steinhütten.
Wie viel Zeit sollte man einplanen?
Für Gordes allein ein bis zwei Stunden, mit Sénanque und den Bories gut ein halber bis ganzer Tag, am schönsten mit dem Abendlicht zum Abschluss.