Journal · Provence

Marseille verlassen — Provence in Greifweite

Marseille & Provence · 27. Mai 2026 · Martina Rogy

Das Schöne an Marseille als Basis ist nicht nur Marseille selbst — es ist alles, was in einer Stunde Auto- oder Zugfahrt um die Stadt herum liegt. Drei Ausflüge, die wir mit jedem Gast machen, und die ein verlängertes Wochenende in einen ganz anderen Aufenthalt verwandeln.

Cassis & Cap Canaille — 40 Minuten ans Meer

Vierzig Minuten mit dem Auto, mit dem Zug fast genauso schnell — und auf einmal ist man in einem kleinen Fischerort, in dem die Boote im Hafen so eng liegen, dass man fast trockenen Fußes hinüberlaufen könnte. Am Strand stehen die höchsten Meeresklippen Frankreichs (das Cap Canaille) als 400-Meter-Wand direkt im Bild. Im Winter brechen die Wellen so dramatisch, dass sie über den kleinen grünen Leuchtturm am Hafenmund schießen — wir haben es einmal erlebt und nie vergessen.

Im Sommer das andere Extrem: stilles türkisblaues Wasser, an dem man sich nicht satt sehen kann. Wer früh kommt, parkt noch in der Nähe; ab Mittag empfiehlt sich der Zug. Empfehlung für den Mittag: einen poulpe à la sétoise auf dem Hafenkai, vom kleinen Restaurant direkt am Quai Barthélemy.

Moustiers-Sainte-Marie — das Postkartendorf, das hält was es verspricht

Knapp zwei Stunden Fahrt landeinwärts, und man steht in einem Dorf, von dem man denkt, es wäre für eine französische Tourismusbroschüre erfunden worden — und das es trotzdem gibt. Moustiers-Sainte-Marie klemmt sich zwischen zwei senkrechte Kalkfelsen, über das ganze Dorf spannt sich seit Jahrhunderten ein Eisenstern, eine kleine Kapelle thront irgendwo auf halber Höhe. Bekannt für seine Fayence-Keramik, aber das Beste ist einfach durch die Gassen zu gehen, einen Café crème zu trinken und nicht ans Mittagessen zu denken.

Wer Lust hat, klettert die Treppe hinauf zur Chapelle Notre-Dame de Beauvoir — eine halbe Stunde rauf, eine Aussicht über das ganze Plateau de Valensol und seinen Lavendelhorizont, und ein Café danach, das einem schmeckt wie kein anderes.

Lac de Sainte-Croix & Verdon — der Süden hat einen See

Direkt unterhalb von Moustiers liegt der Lac de Sainte-Croix — ein türkiser, künstlich aufgestauter See am Eingang der berühmtesten Schlucht Frankreichs, den Gorges du Verdon. Im Sommer hat das Wasser eine Farbe, die man nicht beschreiben kann, ohne übertrieben zu klingen, also lass ich's. Man kann ein Kanu mieten, im See schwimmen, am Ufer ein Picknick machen. Wer mehr will, fährt eine halbe Stunde weiter in die Schlucht selbst und wandert auf einem der Sentier-Trails über die Felskanten.

Drei Ausflüge in einem Wochenende sind viel — aber zwei davon passen perfekt in vier Tage Marseille. Und genau das ist der Punkt: Wer im Apartment wohnt, hat den Luxus von Marseille als Basis. Tagsüber Stadt, am Wochenende Provence. Und am Abend wieder die Yucca auf dem Balkon.

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